Seit Anfang April lenkt Cinzia Campanelli die Geschicke der Berufsfachschule für Pflege in Günzburg. Warum das auf beiden Seiten für Freude sorgt.
Die Freude ist auf beiden Seiten groß. Bei der Berufsfachschule für Pflege der Bezirkskliniken Schwaben am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg, weil nach langer krankheitsbedingter Vakanz endlich wieder eine Schulleitung im Haus ist. Und bei Cinzia Campanelli, weil sie sich auf diese Stelle erfolgreich beworben hat und sie sich nach eigenen Angaben „riesig auf die Aufgabe freut“. Die 37-jährige gebürtige Lauingerin (Kreis Dillingen) hat zum 1. April 2026 die Leitung der Pflegeschule am BKH Günzburg übernommen.
Cinzia Campanelli ist in Lauingen zur Schule gegangen und hat an der dortigen Realschule ihre Mittlere Reife erworben. Auch wenn sie nun wieder im Kreis Dillingen wohnt und lebt, so ist sie in den Jahren dazwischen viel unterwegs gewesen. Vor allem im hohen Norden Deutschlands, aber auch bis in die USA.
Campanelli startete nach ihrer Schulzeit mit einer Ausbildung zur Kinderpflegerin, einem Assistenzberuf. Es folgte eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in Dillingen, der sich zwei Jahre Berufserfahrung am Bundeswehrkrankenhaus Ulm und ein einjähriger Aufenthalt als Au Pair in der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. anschlossen. 2016 begann sie in der Hansestadt Hamburg ein Studium der Medizinpädagogik. Sie schloss ihr Lehramtsstudium in der Medizinpädagogik (Master of Education) mit hervorragenden Noten ab. Den Zugang hierfür erhielt sie durch eine erfolgreich absolvierte Eignungsprüfung.
Während ihres Studiums an der Medical School Hamburg (MSH) - Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Medizinische Universität arbeitete Campanelli in der ambulanten und stationären Intensivpflege. „Damals habe ich den Fuß in die Tür der Lehrtätigkeit bekommen und bin dann peu à peu dorthin gewechselt“, berichtet sie. „Das kann ich jedem empfehlen, der das will: möglichst früh in die Schule zu wechseln, sodass das Gelernte aus der Theorie in der Praxis umgesetzt werden kann“, ergänzt sie. Bei dem berufsbegleitenden Teilzeitstudium musste sie acht Monate im Jahr fünf Tage im Monat präsent sein - für sieben Jahre, eine lange Ausbildung. Nach mehreren Stationen war sie als Lehrerin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig, ehe sie 2023 zurück nach Dillingen kam.
Erst arbeitete sie als Lehrerin an der dortigen Berufsfachschule für Pflege in Dillingen der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen, ab 2024 als stellvertretende Schulleiterin, kurz darauf als kommissarische Schulleiterin und ab Sept. 2024 als Schulleiterin. 2025 folgte dann der große Knall: Der kommunale Klinikverbund stellte ein Insolvenzverfahren. In der Folge wurde die Pflegeschule geschlossen. Das passierte Ende August. Für Cinzia Campanelli ein einschneidendes Ereignis, da sie eine starke Verbundenheit mit der Schule aufgebaut hatte.
Ein halbes Jahr später nun der Neuanfang in Günzburg. Auch wenn die Zeit damals hart war, so blickt die 37-Jährige nun mit großer Zuversicht und vollem Elan nach vorne. Ihr Kollegium, hilft ihr dabei. „Ich bin noch nie so offen aufgenommen worden wie hier“, wählt die neue Schulleiterin bewusst einen Superlativ. Das ganze Team habe sie von der ersten Minute an unterstützt und gebe ihr das Gefühl, dass man sich freue, dass jemand da ist.
Campanelli hat eigenen Angaben zufolge eine „gut organisierte Schule mit tollen, engagierten, fleißigen Lehrkräften“ vorgefunden, „wo man Informationen und Wissen, das man benötigt, auch finden kann“. Die interne Aufgabenverteilung sei klar, die unterschiedlichen Prozesse würden beherrscht. Dennoch gebe es einiges zu tun.
Die Günzburger Pflegeschule, die doppelt so groß ist wie die ehemalige in Dillingen, stehe wie viele andere Einrichtungen vor den Herausforderungen der Digitalisierung. Ein digitales Schulverwaltungsprogramm ist gerade eingeführt worden. Nun geht es um Themen wie digitale Organisation, wie zum Beispiel der praktischen Ausbildung, um digitale Stundenplanung oder möglicherweise die Einführung einer digitalen Lernplattform.
Erst einmal will die 37-Jährige aber die Erwartungen im Haus und am Standort abklopfen und Strukturen kennenlernen. Dazu will sie sich mit Mitarbeitenden, Vorgesetzten, Auszubildenden und Praxisanleitern treffen. „Aktuell haben wir gute Schülerzahlen und zahlreiche internationale Bewerbungen mit hochqualifizierten Profilen. Das Thema Auszubildende bleibt aber ein großes, dynamisches Thema“, sagt sie. Handlungsbedarf sieht sie darin, den jungen Schülerinnen und Schülern ungeachtet ihrer Herkunft bei sprachlichen Kompetenzen stärker unter die Arme zu greifen.
Apropos Sprache: Cinzia Campanelli hat zwar italienische Wurzeln (ihr Vater ist Italiener, ihre Mutter Deutsche), aber italienisch spricht sie nicht, jedoch beherrscht Campanelli neben ihrer Muttersprache Deutsch die englische Sprache fließend in Wort und Schrift. Urlaub macht sie an der Côte d'Azur in Frankreich genauso gern wie am Stiefel. Zu ihren Hobbys zählen Sport (Fahrradfahren, Joggen, Langhanteltraining), Wandern und der Besuch von Kulturveranstaltungen. Erst einmal will sie sich aber mit voller Kraft ihrer neuen Tätigkeit in Günzburg widmen.
