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Ein Tag der offenen Tür mit Aha-Erlebnis

Der Tag der offenen Tür in der „neuen“ Kaufbeurer Forensik ist bei der Bevölkerung sehr gut angekommen. Zahlreiche Interessierte aus nah und fern nutzten die seltene Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der größten Einrichtung des Maßregelvollzugs in Bayerisch- Schwaben zu werfen.

Schon am Samstagvormittag trafen viele Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses (BKH) ein, um die erweiterte Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie zu erkunden. Diese war im Juli 2018 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht worden. Sie hat nun 218 Betten, 17 mehr als zuvor.

„Die Resonanz der sehr interessierten Besucher, mit denen ich Kontakt hatte, war durchwegs positiv“, berichtete Ärztlicher Direktor Norbert Ormanns. Der Chefarzt nahm genauso wie seine Mitarbeiter aus den verschiedenen Bereichen der eigenständigen Klinik die Gäste in Empfang, führte sie zum Teil durchs Gebäude und beantwortete geduldig alle Fragen.

Gezeigt wurden die hellen, freundlichen Patientenzimmer (in der Regel sind es Zweibettzimmer), die Aufenthalts- und Therapieräume, die offene Ergotherapie, der weitläufige Innenhof mit angrenzender Schleuse und die Sporthalle. Ganz viele Besucher waren beeindruckt angesichts der Größe und Ausstattung des Neubautrakts der Forensischen Klinik. „Nicht wenige hatten ein Aha-Erlebnis, was wir da alles machen“, so Ormanns. Insbesondere die schulische Ausbildung, die den Patienten hier angeboten wird, und die Arbeiten aus der Ergotherapie stießen auf großes Interesse. Es gab auch vereinzelt Stimmen, die von einer Ausstattung im „Hotel-Charakter“ sprachen und fragten, ob das denn sein müsse. Die Mitarbeiter der Klinik antworteten, dass hier Menschen untergebracht seien, die aufgrund einer Sucht- oder psychischen Erkrankung zwar mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind – bei denen aber das Kranksein im Vordergrund steht. Deswegen sei die Forensik eine Klinik zwar mit hohem Sicherheitsstandard, jedoch ohne Stacheldraht und Gitter an den Fenstern.

Die Vorträge, die während des Tages im späteren Fitnessraum angeboten wurden, waren regelmäßig voll besetzt. Norbert Ormanns beleuchtete die Geschichte der Forensik in Kaufbeuren, Oberarzt Dr. C. Laugwitz berichtete über die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach Paragraf 63 Strafgesetzbuch. Und Dipl.-Psych. F. Montiel informierte über die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch.

Immer was los war auch an der neuen Kletterwand in der Sporthalle. Dort tummelten sich viele Kinder, die sich – am Seil hängend und von den Therapeuten gesichert - gerne mal in die Höhe ziehen ließen. In der Sporthalle war ein Catering aufgebaut: Die Besucher konnten sich bei Kaffee und Kuchen, alkoholfreien Getränken sowie kleinen Häppchen stärken und mit anderen Gästen und Mitarbeitern ins Gespräch kommen. So mancher Gast stieg im Treppenhaus bis zum fünften Stockwerk hinauf und wurde dort mit einem schönen Blick in die weite Umgebung belohnt.   

Auffallend war, dass viele Mitarbeiter der Forensik ihre Familien, Angehörigen und Freunde mitgebracht hatten. Sie wollten zeigen, wo der Papa, die Mama oder der Sohn/die Tochter arbeitet. „Ich bin froh, dass wir nicht vollends überrannt worden sind. So hatten meine Kollegen und ich Zeit, mit den Leuten zu reden und ihnen alles zu erklären und zu zeigen“, sagte der Ärztliche Direktor. Kurzfristig wurden Führungen angeboten.

Gegen 15 Uhr sollte Schluss sein. Weil es zu dieser Zeit immer noch richtig voll war, verlängerte sich der Tag der offenen Tür bis kurz vor 16 Uhr. Bis dahin hatten zahlreiche Interessierte ihr Wissen über den Maßregelvollzug erweitert und so manches Vorurteil oder gar ängstliche Gedanken abgelegt. „Es war ein äußerst gelungener Tag“, zog Ormanns als erfreuliches Fazit.

Den Testlauf für den Tag der offenen Tür probte das Personal übrigens am Tag zuvor. Am Freitag lud die Forensik die Kollegen aus den anderen Stationen und Abteilungen des BKH Kaufbeuren zu einer internen Besichtigung ein. Eine ganze Reihe von Beschäftigten am Standort nahm dieses Angebot wahr. 

Jetzt geht es Zug um Zug darum, die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen zum Laufen zu bringen und die Abläufe innerhalb der Klinik zu üben. Dann kann das gesamte Gebäude (der sogenannte C-Bau) mit Alt- und Neubau in den Echtbetrieb gehen.