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Netzwerk diskutiert über Pflege-Mix in Forensiken

Nach der Tagung der forensischen Kliniken mit Angehörigen psychisch erkrankter Menschen aus Bayern und Baden-Württemberg (wir berichteten) hat im Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg eine weitere überregionale Veranstaltung stattgefunden. Dort trafen sich die Mitglieder des Netzwerks Forensik der Bundesvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie (BFLK), und zwar zum 30. Mal. Schwerpunktthemen waren unter anderem das neue Pflegeberufegesetz und dessen Auswirkungen auf den zunehmenden Fachkräftemangel und den Fachkräfteeinsatz in den Forensiken. Außerdem wurde über einen bedarfsgerechten Skill- und Grade-Mix in der forensischen Pflege diskutiert, um einen Fachkräftemangel abschwächen zu können. Unter Skill-Mix wird die passende Teamzusammensetzung in Bezug auf Fähigkeiten, Berufs- und Lebenserfahrung verstanden. Beim Grade-Mix geht es um die Durchmischung unterschiedlicher Bildungsabschlüsse innerhalb der Pflege.

Besprochen wurden auch die Auswirkungen der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts im Urteil vom Juli 2018 zur Fixierung eines Patienten. Zur Fixierung und damit zum Eingriff in das Grundrecht auf Freiheit der Person kommt es nur, wenn der Patient aufgrund seiner Erkrankung ernsthaft fremd- oder eigengefährdend ist. Eine Fixierung stellt die intensivste Form der Einwirkung auf den Patienten dar. Diesbezüglich wurde im Arbeitstreffen einstimmig beschlossen, dass sich das Netzwerk Forensik der BFLK für eine intensive 1:1-Betreuung von Patientinnen und Patienten in extremen psychischen Ausnahmesituationen mit examiniertem Pflegepersonal positioniert.

Berichte aus den einzelnen Bundesländern im Hinblick auf die Entwicklungen in der Landschaft des Maßregelvollzugs und die gemeinsame Sicht auf Bundesebene wurden dargestellt. Bundesweit sei eine steigende Anzahl von untergebrachten Patienten zu verzeichnen, was teils zu starker Überbelastung einzelner Kliniken führe, wurde bei der Tagung bekannt.

Das bundesweite Netzwerk Forensik der BFLK – ein eingetragener Verein - ist ein Zusammenschluss von Pflegedirektoren/-innen und Pflegedienstleitungen aus Einrichtungen des Maßregelvollzugs. Es hat sich die Aufgabe gestellt, die Pflege in der forensischen Psychiatrie in allen Berufsfragen auf Bundesebene und durch seine Mitglieder auf Länderebene einheitlich und kompetent zu vertreten. Das Netzwerk trifft sich zweimal jährlich zu Arbeitstagungen, um sich über die Entwicklungen im Maßregelvollzug auszutauschen und diese voranzutreiben. Das 30. Treffen fand im Festsaal des BKH Günzburg statt, unterstützt vom Träger des Krankenhauses, den Bezirkskliniken Schwaben. Es war das erste in neuer Zusammensetzung im Bereich der Leitungsebene: Neuer Sprecher des Netzwerkes ist Andreas Emmerich, Pflegedienstleiter der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach. Er wird vertreten von Paul Buschmann, Pflegedienstleiter der örtlichen Forensischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am BKH Günzburg (Foto).