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Zwangsstörungen

  • Müssen Sie sich ständig waschen, oder müssen Sie ständig saubermachen?
  • Müssen Sie alles kontrollieren?
  • Quälen Sie Gedanken, die Sie als unsinnig empfinden, die Sie loswerden wollen, aber die nicht verschwinden wollen?
  • Brauchen Sie für ihre Alltagsaktivitäten viel länger als andere, weil Sie immer alles überprüfen müssen?
  • Machen Sie sich ständig Gedanken, ob alles ordentlich und symmetrisch ist?

Dies können Anzeichen einer Zwangsstörung sein.


Kontrollverhalten mit extremen Auswirkungen
Typisch für ein normales, maßvolles Kontrollverhalten: Nach Verlassen der Wohnung beschleicht einen das ungute Gefühl, das Bügeleisen nicht ausgesteckt zu haben. Sicherheitshalber kehrt man noch einmal um und stellt meistens fest, dass die Sorge unbegründet war.
In Maßen ist Kontrolle durchaus sinnvoll, im Extremfall kann sie das Leben vollkommen beherrschen. Betroffene kehren hier mehrfach in die Wohnung zurück, um zwanghaft immer neue Eventualitäten zu kontrollieren. Sie kennen zwar die Unsinnigkeit ihrer ständig wiederkehrenden Zwangshandlungen und Zwangsgedanken, aber sie fühlen sich unfähig, gegen den inneren Druck zu bestehen.

Leben in ständiger Hochspannung
Zwangskranke denken und tun immer wieder Dinge, für die sie sich vor ihrer Umwelt schämen und die sie möglichst zu vertuschen suchen. Weil sie von Ängsten und Befürchtungen heimgesucht werden, beispielsweise einen Fehler gemacht oder sich mit einem Krankheitserreger infiziert zu haben, leben sie in ständiger Hochspannung, die durch die Zwänge nur vorübergehend abgebaut werden kann. Sie kontrollieren immer wieder dasselbe oder waschen sich hundert Mal die Hände, ohne jemals wirklich fertig zu sein.

Die häufigsten Inhalte von Zwangsgedanken und -handlungen sind

  • Verunreinigung bzw. Kontamination
  • Physische Gewalt
  • Tod
  • Zufälliges Unglück 
  • Symmetrie/Präzision
  • Sex
  • Religion
  • Ordentlichkeit
  • Etwas zu verlieren
  • Aufbewahren und Sparen

Vermeidung löst das Problem nur oberflächlich
Deshalb gehen Betroffene den für sie belastenden Situationen immer mehr aus dem Weg oder integrieren andere in ihr Zwangssystem, was oft zu erheblichen Auseinandersetzungen in Beziehungen führt. Irgendwann sind Zwangskranke so in ihrem Teufelskreis aus Angst und Zwang gefangen, dass ihnen nur noch ein minimaler Handlungsspielraum für ihre alltäglichen Verpflichtungen bleibt.

Zwang oft in Kombination mit anderen Erkrankungen
Zwangsstörungen werden dann diagnostiziert, wenn sie den normalen Alltag beeinträchtigen oder soziale Beziehungen und die berufliche Leistungsfähigkeit einschränken. Nicht selten treten sie in Kombination mit anderen psychischen Störungen, wie Angsterkrankungen und vor allem depressiven Erkrankungen auf. Aber auch bei bestimmten Persönlichkeits- und bei Essstörungen sind sie zu finden.

Antidepressiva und Verhaltenstherapie – ein starkes Team gegen Zwang
Da es vermutlich eine gemeinsame neurobiologische Grundlage für Angst, Zwang und Depression gibt, bilden antidepressiv wirksame Medikamente, insbesondere so genannte Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRIs), eine wichtige Behandlungsgrundlage und therapeutische Unterstützung. In Kombination mit verhaltenstherapeutischen Strategien sind sie sehr hilfreich in der Bewältigung von Zwangshandlungen und Zwangsgedanken.

Entstehung und Therapien
Etwa 2 Prozent der Bevölkerung leiden unter Zwangsstörungen. Bei fast der Hälfte der Kranken beginnt die Störung in der Kindheit. Im Durchschnitt wird die Diagnose erst nach 9 Jahren gestellt, erst nach 17 Jahren wird nach Studien, wenn überhaupt, eine Behandlung aufgenommen. Für Betroffene gibt es aber durchaus erfolgsversprechende psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsstrategien.
Eine möglichst frühzeitige Behandlung mit bestimmten Antidepressiva in Kombination mit einer Verhaltentherapie kann oft helfen. In der Psychotherapie können die Patienten lernen, dass sie ihre Ängste aushalten können ohne die Rituale auszuüben. Die Medikamente normalisieren in der Regel den Hirnstoffwechsel..

Weitere Informationen erhält man zudem bei der
Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen e.V.
Internetseite: www.zwaenge.de