Sie sind hier:  > patienten > krankheitsbilder > reaktive störungen

Reaktive Störungen

Psychische Symptome nach einer belastenden Situation
Eine ungewöhnliche Belastungssituation kann unmittelbar oder verzögert psychische Störungen auslösen, die in engem zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit dem Ereignis stehen. Solche Situationen sind zum Beispiel ernsthafte Bedrohungen für die Sicherheit oder Unversehrtheit des Betroffenen oder einer geliebten Person wie Unfall, Verbrechen, Vergewaltigung oder Katastrophen. Daraus kann sich eine akute Belastungsreaktion entwickeln, die meist spontan innerhalb kurzer Zeit abklingt, gelegentlich aber eine kurze Krisenintervention erforderlich macht.

Beschwerden klingen nicht von selbst ab
Bei den meisten Menschen kommt es zu entsprechenden psychischen und körperlichen Symptomen: Man kann nicht einschlafen, ist wie betäubt, grübelt den ganzen Tag über das Vorgefallene nach, leidet unter Herzklopfen und flauem Gefühl im Magen. Die Persönlichkeit und die Schutzmechanismen eines jeden Einzelnen spielen dabei eine große Rolle.

Das Trauma wiederholt sich in Erinnerung und Träumen
Die Katastrophe ist nicht mehr aus der Erinnerung zu verbannen, sie verfolgt einen bei Tag und Nacht in schrecklichen Bildern und löst dabei heftige körperliche Reaktionen aus. Situationen oder Aktivitäten, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen können, werden gemieden. Dazu kommt ein andauerndes Gefühl von Betäubtheit und gefühlsmäßiger Stumpfheit, andere Menschen werden einem gleichgültig und der Körper befindet sich in permanenter Alarmbereitschaft. Herzrasen, Schweißausbrüche und übermäßige Schreckhaftigkeit treten auf, ein erholsamer Schlaf ist nicht mehr möglich. Wenn diese Beschwerden nicht mehr abklingen oder sogar im Laufe der Zeit zunehmen, ist von einer posttraumatischen Belastungsstörung auszugehen. Im Extremfall verändert sich der Mensch in seiner Persönlichkeit.

Suchtmittel erscheinen oft als einziger Ausweg
Die ständige Anspannung lässt viele zu Alkohol oder Tabletten greifen, um endlich Ruhe von der Qual zu haben. Dies bringt neue Probleme mit sich, die nicht selten in eine Abhängigkeit münden und einen totalen Absturz zur Folge haben.

Anpassungsstörungen nach Verlust von geliebten Menschen
Trennungserlebnisse oder der Tod eines geliebten Menschen können eine Anpassungsstörung auslösen. Sie ähnelt einer Depression, ihre Ausprägung ist jedoch weniger stark. Dabei spielen die individuellen Voraussetzungen in der Persönlichkeit des einzelnen Menschen eine größere Rolle als bei den vorgenannten Störungsbildern. Ohne die entsprechende Belastung wäre aber auch hier die Krankheit nicht entstanden. In der Regel klingt sie innerhalb eines halben Jahres wieder ab, was durch eine geeignete Behandlung unterstützt wird.
 
Therapien
Gegen die lange Zeit als schwer therapierbar geltenden Belastungsstörungen wurden in den letzten Jahren spezielle Behandlungsmethoden entwickelt. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein integratives Therapiemodell, das so genannte EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Es umfasst verhaltenspsychologische, psychodynamische und körperorientierte Elemente und hilft Traumaopfern bei der Bearbeitung beunruhigender Gedanken und Erinnerungen nach dem Motto: Entscheidend ist nicht, was geschehen ist, sondern die Art, wie man damit umgeht.