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Persönlichkeitsstörungen

Mit Aspekten der Persönlichkeit befassen sich viele Fachdisziplinen, zum Beispiel die Pädagogik, die Religionen, die Literatur, die Künste, in wissenschaftlichen Ansätzen die Verhaltensforschung, die Psychiatrie, die Psychologie und die Soziologie. Die Persönlichkeit und deren Entwicklung ist geprägt durch Biologie und Umwelteinflüsse. Für die Therapie krankhafter Störungen der Persönlichkeit sind Ärzte und Psychotherapeuten zuständig, die stationäre Behandlung erfolgt durch die Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Es gibt vielfältige Persönlichkeitsstörungen und ebenso vielfältige Therapiemöglichkeiten. Zu Beginn einer Therapie sollte in aller Regel eine körperliche Untersuchung, insbesondere des zentralen Nervensystems durch einen Arzt erfolgen.

Welche Arten von Persönlichkeitsstörungen gibt es?
Die diagnostische Einteilung der Persönlichkeitsstörungen ist sehr kompliziert. Hier soll ein einfaches Einteilungsschema angewandt werden, weil dies die wesentlichen Aspekte am besten umschreibt. Es gibt:

1. Kurzfristig auftretende psychische Reaktionen nach schwerwiegenden persönlichen Erlebnissen und Ergeignissen, die zu schweren depressiven Verstimmungen und Ängsten führen können bis hin zur Suizidalität. Solche akuten Störungen erfordern oft eine sofortige stationäre Behandlung.

2. Längerfristig entstehende, sogenannte erlebnisreaktive Entwicklungen, die mit dem persönlichen Erlebnishintergrund des Einzelnen und seiner sozialen Situation, z.B. Beruf und Familie, zu tun haben. Beispiele hierfür wären das sogenannte Burn-Out-Syndrom und andere chronische Belastungsreaktionen.

3. Spezifische Störungen: Hierzu zählt man eine ganze Reihe unterschiedlicher Störungen, besonders häufig sind Panik- und Angststörungen, Essstörungen (hierbei Anorexie und Bulimie) und Zwangsstörungen.

4. Sogenannte neurotische Entwicklungen (der Begriff Neurose wird heute allerdings verschieden verwendet), die man zum Teil als schwierige charakterliche Entwicklungen ansehen kann. In Schwellensituationen wie dem Übergang ins Erwachsenenalter oder bei wichtigen beruflichen oder sozialen Veränderungen, kann sich eine krankhafte Störung entwickeln. Die Behandlung solcher Störungen ist oft komplex. Es sind weit zurückliegende, nur subtil verstehbare Hintergründe mit zu berücksichtigen.

5. Somatoforme Störungen: Diese sind am Anfang diagnostisch oft erst zusammen mit anderen Fachdisziplinen zu klären. Es können komplexe Untersuchungen notwendig sein. Körperliche und psychische Störungen können gemischt vorhanden sein, oder körperliche Störungen können vorwiegend oder ganz durch psychische Probleme bedingt sein. Störungen dieser Art können im Magen-Darm-Trakt, bei der Herzfunktion, der Atemfunktion aber auch als psychisch bedingte Lähmungen vorkommen.

Bestimmte Krankheitsbilder ändern sich mit dem Zeitgeist und mit dem Wandel der Lebensumstände. Beispiele dafür sind Ess- und Borderlinestörungen. Bei schwereren psychischen Erkrankungen sind in aller Regel auch apperative Untersuchungen erforderlich, z.B. Computertomogramm, Kernspintomogramm, Elektroenzephalogramm und konsiliarische Untersuchungen durch Ärzte anderer Fachgebiete, häufig auch psychologische Testuntersuchungen.

Was sind die Ursachen von Persönlichkeitsstörungen?
Relativ gut verstanden sind die Ursachen bei kurzfristigen Erlebnisreaktionen, wo schon oft die psychosozialen Zusammenhänge Aufschluss geben. Bei längerfristigen Entwicklungen sind Lebenslauf und die persönliche Entwicklung in der Kindheit, die schulische Entwicklung oder/und berufliche Veränderungen und soziale Entwicklungen von Bedeutung. Manche Störungen stehen typisch in Zusammenhang mit dem Lebensalter, z.B. alterstypischen Veränderungen und Konflikten. Aber es gibt offensichtlich auch Umweltfaktoren, die erst zum Teil verstanden sind.

Was sind die wichtigsten Therapiemöglichkeiten?
Bei den verschiedenartigen Persönlichkeitsstörungen stehen generell zwei Hauptverfahren der Therapie zur Verfügung. Das ist die Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Im ärztlichen und psychologischen Gespräch werden verschiedene Elemente oft vereint. In Gruppentherapien und in störungsspezifischen Therapien kann auf bestimmte Aspekte genauer fokussiert werden, das heißt, diese können  unter die Lupe genommen werden und Lösungsansätze durchgespielt, durchgedacht und erprobt werden. Dies erfolgt im Rahmen einer stationären Behandlung auch im Zusammenleben mit anderen Patienten, im Sinne einer therapeutischen Gruppe. Das Miteinander ist wichtig. Spezifische Therapien sind zum Beispiel Angst-Gruppen bei Angststörungen, ähnlich bei Borderlinestörungen, oder psychodynamische Therapien. Bei somatoformen Störungen sind oft körperliche Therapien wichtig. Hierzu gehören Schmerztherapie und Physiotherapie. Entspannende und kreative Therapien sind für viele Patienten gut, so z.B. Kunsttherapie, Ergotherapie, Theatertherapie, Tanztherapie. Eine Arbeitstherapie kann gegen Ende einer Behandlung sehr wichtig sein als Vorbereitung für die Zeit nach der Entlassung.
In den Kliniken werden vielfältige Therapieangebote vorgehalten, die Auswahl wird individuell vom behandelnden Arzt und Psychologen zusammen mit dem Patienten als Therapieplan entwickelt. Eine individuell abgestimmte Therapie hat sich als besonders wirksam erwiesen. Medikamentöse Behandlungen sind auch bei Persönlichkeitsstörungen oft hilfreich, insbesondere am Anfang der Therapie. Diese werden vom psychiatrischen Facharzt verordnet.
 
Symptomebenen von Persönlichkeitsstörungen, Beispiel Angst:
Um die Komplexität von Persönlichkeitsstörungen etwas anschaulich zu machen, wird hier das Beispiel Angst kurz dargestellt. Das 4-Ebenen Modell der Angst zeigt auf ganz einfache Weise, wie kompliziert schon einfache Symptome sind: Angst zeigt sich gefühlsmäßig (z. B. als Hilflosigkeit, als Gefühl ausgeliefert zu sein, als Furcht oder Resignation), sie zeigt sich im Verhalten (z. B. starke Neigung Hilfe zu suchen, auszuweichen, zu flüchten, zu vermeiden, Medikamente einzunehmen), sie zeigt sich gedanklich (z. B. als Angst vor einem bestimmten Ereignis, vor Herzinfarkt, Kontrollverlust u. ä.) oder sie zeigt sich körperlich (z. B. als Herzrasen, Schwitzen, Atemnot, Zittern, usw.)

Wer muss behandelt werden?
Als Faustregel gilt: Wer für sich selbst leidet oder unter wem die Gesellschaft leidet, sollte behandelt werden (beides kann auch kombiniert sein). Wer also spürt, dass er Hilfe braucht, soll diese suchen. Unsere Ärzte und Psychologen werden die geeignete Therapie mit dem Patienten besprechen, über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten aufklären, ebenso über mögliche Nebenwirkungen der verschiedenen Therapiearten.