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Esstörungen

Wahrnehmung des Körpers verzerrt sich
Jeder Fünfte ist so übergewichtig, dass er nicht mehr gesund ist. Gleichzeitig hält sich fast die Hälfte aller normalgewichtigen Mädchen für zu dick. Bereits ein Drittel aller 10-jährigen Mädchen hat schon einmal eine Diät gemacht. Die Übergänge von Diät zur Essstörung sind fließend. Im Frühstadium gibt es oft nur wenige Anhaltspunkte für ein krankhaftes Essverhalten. Irgendwann dreht sich das Denken nur noch um Kalorien und Gewicht. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers verzerrt sich mehr und mehr, so dass Magersüchtige weiter das Essen verweigern, obwohl überall die Knochen zu spüren sind und lebensbedrohliche körperliche Folgeerscheinungen auftreten. Viele von denjenigen, die sich ständig kasteien, können allerdings ihr Hungersystem langfristig nicht aufrechterhalten. Sie erleiden Heißhungeranfälle, die durch anschließendes Erbrechen, den Einsatz von Abführmitteln oder übermäßigen Sport wettgemacht werden.
Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen, wobei Mischformen am häufigsten und die Übergänge gleitend sind. Magersucht, Bulimie und Binge Eating sind die am häufigsten vorkommenden Essstörungen.
In Deutschland leiden nach Studien über 100.000 Menschen, insbesondere Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, an Magersucht; 600.000 Frauen und Männer an der Fress-Brech-Sucht (Bulimia nervosa). Die Zahl der magersüchtigen Männer liegt bei 5 bis 10 % – mit steigender Tendenz. Die Universität Ulm beziffert die Häufigkeit von Anorexie in der weiblichen Bevölkerung zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr mit 0,5 bis 1 %, für Bulimie mit 3 bis 4 % sowie für Esssucht mit 6 % und verzeichnet einen zunehmenden Anteil männlicher Betroffener.

Magersucht (Anorexia nervosa)
Magersucht ist eine Erkrankung, meistens von Mädchen und jungen Frauen, aber auch immer häufiger von Jungen und jungen Männern, bei denen Selbstbild und Körperempfinden gestört sind und der Gewichtsverlust zum Inhalt des Denkens und Handelns wird. Die Betroffenen empfinden sich als zu dick, auch wenn sie erhebliches Untergewicht aufweisen. Häufig ist Magersucht gepaart mit hohem Leistungsdenken auf verschiedenen Ebenen des Lebens.

Bulimie (Bulimia nervosa)
Bulimie ist durch wiederholte Attacken von Heißhunger (Fressattacken), gefolgt von selbst herbeigeführtem Erbrechen gekennzeichnet. In der Regel spielen sich solche Attacken in heimlich ab. Ein tiefes Schamgefühl nach einer solchen Fress-Brech-Attacke ist ein wesentlicher Grund, die Erkrankung auch vor den besten Freunden zu verstecken. Ein weiteres Kennzeichen für die Bulimie ist die fast permanente Beschäftigung der Betroffenen mit allem, was mit Essen, Kalorien, Körpergewicht, Diät und Figur etc. zu tun hat. Bulimische Menschen können unter-, normal- oder
auch übergewichtig sein, sie haben jedoch meist ein sehr schlankes Körperideal.

Binge Eating
Wie bei der Bulimie äußert sich Binge Eating durch wiederholte Heißhungerattacken und Fressanfälle, allerdings ohne anschließendes Erbrechen oder den Missbrauch von Abführmitteln. Der Kontrollverlust während der Fressanfälle und die anschließenden Schuldgefühle sind ebenso typisch. Die Fressanfälle werden oft durch persönliche Stresssituationen ausgelöst.

Adipositas
Adipositas wird auch als Obesitas (engl: obesity), also Überfülle oder Fettleibigkeit, bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine übermäßige Vermehrung oder Bildung von Fettgewebe. Die Ursache dafür kann in einer Essstörung liegen, aber auch genetische oder andere Gründe haben. Da Adipositas mit Übergewicht verbunden ist, wird der Begriff oft als Synonym für Übergewicht gebraucht. Aus medizinischer Sicht liegt eine Adipositas-Erkrankung jedoch erst ab einem Body Mass Index (BMI) von 30 vor. Übergewicht hingegen fängt bei einem BMI von 25 an. Der BMI errechnet sich nach der Formel: Gewicht durch das Quadrat der Körpergröße.

Depressionen sind häufige Begleiterscheinungen
Selbstunsicherheit, hohe Ansprüche an sich selbst, eine Angst vor dem Erwachsenwerden, niedrige Frustrationstoleranz und familiäre Schwierigkeiten bilden den Boden für Essstörungen. In der Mehrzahl sind junge Frauen betroffen. Die Gedanken kreisen um Nichtessen, Kalorieneinsparung, Vermeidung von gemeinsamen Mahlzeiten und Gewichtsabnahme. Die schmerzhafte Auseinandersetzung mit der Grundproblematik wird dadurch immer wieder umgangen. Wenn das Leben durch die Essstörung dominiert wird, ist die Angst groß, loszulassen – es könnte ein Loch entstehen, wenn die Essstörung nicht mehr da wäre. Nicht selten kommen depressive Verstimmungen hinzu, der Antrieb und die Belastbarkeit werden immer geringer, Suizidgedanken treten auf.


Therapien
Essstörungen können sich  zu lebensgefährlichen Erkrankungen entwickeln und bedürfen oft einer stationären Behandlung. Diese Einsicht und die Bereitschaft, sich von der Krankheit zu verabschieden, sind bei den Betroffenen jedoch leider nur schwer zu erreichen. Hilfreich für eine Therapiemotivation können Kontakte zu Selbsthilfegruppen sein, aber auch der Entschluss der Angehörigen, sich aus dem Teufelskreis von Vorwürfen, gutem Zureden und Resignation zu verabschieden.
Eine psychotherapeutische Behandlung ist dringend angezeigt und notwendig.

Umfangreiche Informationen bietet die Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: http://www.bzga-essstoerungen.de/