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Forschung und Innovation

Nervenleiden und psychische Erkrankungen nehmen an Häufigkeit zu. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen an Störungen des zentralen Nervensystems wie Hirn- und Rückenmarksverletzungen oder dem Parkinson-Syndrom, Demenzen, Schlaganfall, Epilepsie, Schizophrenie, Depressionen oder chronischen Schmerzen. Diese Erkrankungen beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen und verursachen großes menschliches Leid.

Neue oder verbesserte Diagnoseverfahren und Therapien sind daher wichtig, um kranken Menschen effektiver helfen zu können. Gleiches gilt für Ansätze zur Prävention, die dazu beitragen, dass Krankheiten erst gar nicht entstehen.

Forschung meint dabei die geplante und systematische Suche nach neuen Erkenntnissen, im Gegensatz zu bloßen Zufallsentdeckungen. In den Bezirkskliniken Schwaben gibt es vielfältige Forschungsaktivitäten.

Universitäre Forschung

Zwei unserer Kliniken, nämlich die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie die Klinik für Neurochirurgie am Bezirkskrankenhaus Günzburg erfüllen als Universitätskliniken der Universität Ulm Aufgaben aus dem Bereich universitärer Forschung und Lehre. Universitäre Aufgaben übernehmen auch die Sektionen Neuropathologie, Neuroradiologie und Gerontopsychiatrie am Standort Günzburg.

Annual Report / Jahresbericht 2012-2013 über Forschungsaktivitäten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg

Am Bezirkskrankenhaus Augsburg übernehmen wir die Ausbildung insbesondere von Studenten im Praktischen Jahr. Das Bezirkskrankenhaus Augsburg ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Rahmen verschiedener Forschungskooperationen arbeiten wir dort immer wieder eng mit anderen Universitätskliniken im Bundesgebiet zusammen.


Aktuelle Forschungsprojekte:

Manipulieren Erreger, z.B. Viren, Bakterien und Parasiten, das Verhalten von Menschen oder lösen Erreger Immunvorgänge aus, die psychische Krankheiten verursachen?

Arbeitsgruppe Psychoimmunologie der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Günzburg – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Ulm

Projektleiter: Professor Dr. Karl Bechter

Die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Karl Bechter und seinen Mitarbeitern sowie Kooperationspartnern ist seit über 20 Jahren der klinischen Grundlagenforschung gewidmet, insbesondere zu Fragen einer möglichen Verursachung schwerer psychiatrischer Erkrankungen durch Viren und Bakterien oder durch Infektionen ausgelöste Autoimmunreaktionen bzw. immunpathologische Vorgänge. Hierzu wurden klinisch- epidemiologische Untersuchungen, bildgebende Verfahren, und protein- und zellanalytische Verfahren (Untersuchungen von Blut und Nervenwasser = Liquor cerebrospinalis) angewandt. Durch Vergleich verschiedener Proteine und Immunglobulinkonzentrationen in Blut und Nervenwasser kann man Rückschlüsse auf Krankheitsprozesse des Gehirns ziehen. Dargestellt ist hier eine derartige Analyse bei Patienten mit chronischen Depressionen und anderen Psychosen.

Erläuterungen zu den Abbildungen a, b, c:
Ergebnisse einer Analyse der Proteine im Nervenwasser (liquor cerebrospinalis) bei Patienten mit schweren Depressionen und Psychosen anhand von Reibergrammen. Man sieht bei Patienten in Gruppe a) entzündliche Vorgänge, in Gruppe b) eine Störung der Blut-Liquor-Schrankenfunktion und in der Gruppe c) Normalbefunde. Insgesamt hatten über 40% der untersuchten Patienten definitiv pathologische Auffälligkeiten im Nervenwasser. Die Befunde im Einzelnen zeigten entweder eine leichte Neuroinflammation (diskreter Entzündungsvorgang im Liquorraum und im Zentralnervensystem), oder sind am ehesten als geringgradige Neuroinflammation zu interpretieren. Neue Methoden sind in Entwicklung und Erprobung in Studien.

Eigene und internationale Forschungsergebnisse zeigen zunehmend die Bedeutung von Erregern in der Verursachung oder Auslösung psychischer Erkrankungen. Ein Erreger kann direkt ursächlich wirken, aber meistens führt wohl nur ein komplexes Zusammenwirken von drei Faktoren (Gene, Umwelt, Immunsystem) letztendlich zur Krankheit. Umgekehrt tritt bei der Mehrzahl von Personen, die mit einem bestimmten Erreger infiziert wurden, gar keine Erkrankung auf. Diese sogenannte niedrige Pathogenität gehört zu diesem Szenario, ist für den Infizierten eigentlich günstig, für die Beweisführung einer Rolle des jeweiligen Einzelfaktors aber eine klinisch-wissenschaftliche Herausforderung. Relevante Erreger in einem solchen Geschehen sind vermutlich Borna Disease Virus, verschiedene Herpes Viren (EBV, HSV 1 und 2, HSV 6), Mumpsvirus, Cytomegalie-Virus, Parvoviren (besonders B19), auch endogene Retroviren z. B. HERV-W, ferner Chlamydien, Borrelien, Toxoplasmen. Vergleiche auch die Beiträge aus dem 10. Psychoimmunology Expert Meeting 2009 (www.psychoimmunology-experts.de).

Wir danken der Margarete-Ammon-Stiftung, München, für die großzügige Unterstützung (www.ammon-stiftung.de).

Weitere klinische Forschungsprojekte der Arbeitsgruppe Psychoimmunologie:

  • Untersuchungen des Nervenwassers und des Blutes auf Veränderungen von Immunzellen sowie Proteinen, auch von Neopterin und Tryptophan mit der Frage des Vorliegens einer geringgradigen Entzündung (low level neuroinflammation) bei schweren psychischen Erkrankungen
  • Vergleich der Befunde bei psychiatrischen Erkrankungen mit denen bei neurologischen Erkrankungen
  • Spezifische Rolle bestimmter Erreger, insbesondere Borna Disease Virus, Cytomegalie-Virus (spezifische Untersuchung geplant), Mumpsvirus (geplant), Borrelien, HERV-W (geplant)
  • Differentialdiagnostik des Chronic Fatigue Syndroms als post-infektiöse Erkrankung, als chronische Infektion, oder als Folge von Störungen des craniocervicalen Übergangs bzw. funktioneller Syndrome der oberen Halswirbelsäule
  • Studien zur Rolle von Arachnoidalzysten in der Verursachung psychischer Störungen
  • Medikamentöse Zusatztherapie bei Depression mit Cox2-Blockern (Cimicoxibstudie, Leitung Prof. N. Müller, LMU München)
  • Theoretische Arbeiten zur Liquorrezirkulation (in Zusammenarbeit mit Prof. M. Schmitt, Rostock und weiteren Kooperationspartnern; Prof. Hansotto Reiber, Göttingen)
  • Promotionsarbeiten zu den aktuellen Forschungsprojekten

Sie möchten mehr erfahren über die Arbeitsgruppe Psychoimmunologie am Bezirkskrankenhaus Günzburg? Siehe www.bkh-guenzburg.de und www.ammon-stiftung.de

Bezirkskrankenhaus Günzburg
Prof. Dr. Karl Bechter
Ludwig-Heilmeyer-Straße 2
89312 Günzburg
Tel. 08221 96-2869
Fax 08221 96-2736
E-Mail: karl.bechter(at)bkh-guenzburg.de
http://www.bkh-guenzburg.de/psychiatrie/psychiatrie.htm

Vergleichende Untersuchung von klinischen, kernspintomographischen und elektrophysiologischen Parametern der Schädigung des oberen Motoneurons bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS)

Neurologische Klinik des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren
 
Projektleiter: Priv.-Doz. Dr. M. Hecht in Kooperation mit der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen.

Die ALS ist eine fortschreitende, degenerative neurologische Erkrankung bei der motorische Nervenzellen weitgehend selektiv frühzeitig altern. Dies betrifft sowohl Vorderhornzellen des Rückenmarks, als auch Zellen des motorischen Kortex. Durch die Veränderungen der Vorderhornzellen im Rückenmark sind klinisch Veränderungen der Zellen im motorischen Kortex oft maskiert. Für eine frühzeitige Diagnosestellung ist daher eine zusätzliche Beurteilung der motorischen Kortexneurone  wünschenswert.

In Vorarbeiten konnte gezeigt werden, dass in MRT-FLAIR-Aufnahmen von ALS-Patienten Signalanhebungen der motrischen Bahnen erkennbar sind. Ziel der aktuellen Untersuchung ist es die MRT-Veränderungen mit einer standardisierten klinischen Befunderhebung des oberen motorischen Neurons und mit elektrophysiologischen Parametern der kortikalen motorischen Erregbarkeit zu vergleichen.

Es zeigt sich, dass MRT-Veränderungen mit den standardisierten klinischen Befunden korrelieren. Eine Korrelation zu den elektrophysiologischen Werten konnte nicht gefunden werden, was möglicherweise an der elektrophysiologischen Methode liegt.

Die Befunde unterstreichen die klinische Wertigkeit der MRT-Veränderungen in FLAIR-Sequenzen bei ALS-Patienten.

Dargestellt ist die Korrelation zwischen vermehrter Signalintensität im MRT und dem klinischen Befund der Spasticity Scale bei 35 ALS-Patienten: A-Darstellung für die rechte und linke Seite gemeinsam = Global; B-Darstellung für die rechte Körperseite korreliert zur linken Gehirnhälfte; C-Darstellung für die linke Körperseite korreliert zur rechten Gehrinhälfte. SPS = Spasticitiy Scale, CNR = Contrast to Noise Ratio, ein quantitatives Maß der Signalintensität in MRT-FLAIR-Sequenzen.
Die Spasticity Scale bewertet eine Zunahme der Spastizität mit einer Abnahme des Punktwertes. Daher zeigt die Graphik eine jeweils signifikante Korrelation zwischen verstärkter Spastizität und vermehrter Signalanhebung im MRT-FLAIR.

Neurologische Klinik des
Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren
Priv.-Doz. Dr. med. Martin Hecht
Dr.-Gutermann-Straße 2
87600 Kaufbeuren
Tel. 08341 42-7051
Fax 08341 42-7052
E-Mail: martin.hecht(at)bkh-kaufbeuren.de
www.bkh-kaufbeuren.de

 

Forschungskooperationen des Bezirkskrankenhauses Augsburg

  • Validierung von Biomarkern für die Diagnose und den Behandlungserfolg bei majorer Depression (Kurzbezeichnung: „Biomarker Projekt“ Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München)
  • Vergleich der Augmentation von Venlafaxin mit Quetiapin oder Placebo bei Patienten mit therapieresistenter Depression – eine placebokontrollierte Doppel-Blind-Studie (Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München)
  • Untersuchung der Effektivität der Umstellung gebenüber der Fortsetzung einer antipsychotischen Behandlung bei Patienten mit einer Schizophrenie - SWITCH Studie – (Kooperation mit der Psychiatrischen Klinik der TU München)
  • Anwendungsstudie zur praktischen Erprobung und Validierung der Qualitätsindikatoren für die integrierte Versorgung von Menschen mit einer Schizophrenie (Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie II des Universitätsklinikums Ulm/BKH Günzburg)
  • Effectiveness of monotherapy in schizophrenia – do patients profit when switching from antipsychotic polytherapy to monotherapy? (MONOPOLY Studie, Kooperation mit der Psychiatrischen Universitätsklinik der Universität Düsseldorf)