Damit der Erstkontakt zur Psychiatrie positiv verläuft

Dr. Roland Klug stellt die neue LUI-Station vor

Feier im Garten des Bezirkskrankenhaus Günzburg

Prof. Jörg Fegert, Prof. Andreas Bechdolf, Dr. Roland Klug, Martina Nieswandt, Thomas Düll und Prof. Thomas Becker

Haus 41 von außen

Die neue LUI-Station

Teambild LUI

Vortrag Prof. Andreas Bechdolf

Vortrag Prof. Jörg Fegert

Im Bezirkskrankenhaus Günzburg ist die Station „LUI“ offiziell eröffnet worden. Die spezialisierte Einrichtung innerhalb der Psychiatrie behandelt junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, die vorwiegend unter psychotischen Störungen leiden. LUI ist eine Abkürzung für „Lebensnähe. Unterstützung. Information“. Vom Leiter des Projekts, Dr. Roland Klug, stamme die Idee für LUI, teilte die pflegerische Stationsleiterin Martina Nieswandt mit. „Im Planungs- und Pflegeteam steckt viel von unserem Herzblut drin“, so Nieswandt.

Bei LUI geht es um Menschen, „die hochakut in unsere Klinik kommen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll, bei seiner Begrüßung. Es seien junge Erwachsene an der Schnittstelle zwischen der Kinder- und Jugend- sowie der Erwachsenenpsychiatrie. Da ihre Zahl zunehme, sei das Projekt „zukunfts- und wegweisend für unser gesamtes Unternehmen“, so Düll. Die Bezirkskliniken hätten für die Baumaßnahmen am und im Haus 41 insgesamt 330000 Euro in die Hand genommen. Unter anderem wurde damit ein gläserner Wintergarten verwirklicht, der als offener Gruppen-, Besprechungs-, Therapie- und Aufenthaltsraum dient.

Laut Pflegedirektor Georg Baur ist die spezialisierte Station in drei Schritten auf den Weg gebracht worden: Zunächst im März 2016 die bis dato geschützte (geschlossene) zu einer offenen Station gemacht; dann erfolgte von April bis September 2016 der Umbau des Gebäudes bei laufender Patientenversorgung; und schließlich wurde der Einrichtung aus einem „aufgeschlossenen, motivierten Team heraus“ (Baur) Leben eingehaucht. „LUI ist ein Projekt, das aus dem Team kommt“, stellte auch der Leitende Ärztliche Direktor des BKH Günzburg,  Prof. Thomas Becker, fest.

Wie wichtig ein solches Spezialangebot ist, das unterstrich Prof. Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Universität Ulm. „Wir müssen die unterschiedlichen Reifungsprozesse bedenken“, sagte er. Viele junge Patienten, die zum ersten Mal mit der klassischen Erwachsenenpsychiatrie in Berührung kommen, beklagten sich, dass dieses Setting für sie nicht zutreffend sei: „Was will ich denn da? Da ist doch mein Opa…“ Gerade das Internet und die Neuen Medien haben für diese Gruppe eine  große Bedeutung. Dabei geht es um Strategien zur eigenen Selbstdarstellung im Netz, um Selbstwert und darum, wie ich Freunde und/oder Lebenspartner am besten kennenlernen kann. Fegert erfreut: „Für mich ist es heute ein Fest, weil dieser Gruppe hier künftig ein Angebot gemacht wird.“

Auch für Prof. Andreas Bechdolf, Chefarzt des Vivantes Klinikums Am Urban in Berlin, ist es wichtig, in einem renommierten Haus wie dem BKH Günzburg eine junge Erwachsenenstation zu gründen. „Die Patienten wollen erst einmal nicht mit uns zusammenarbeiten. Deshalb müssen wir werben und beweisen, dass wir hilfreich für sie sein können“, sagte Bechdolf. Er ergänzte: „Wir sind für die Betroffenen die Eintrittspforte und das Gesicht der Psychiatrie.“

Ein großes Ziel von LUI ist nach Angaben von Oberarzt Dr. Klug, präventiv zu arbeiten, damit die Krankheit nicht chronisch wird. Außerdem setzt das Team auf größtmögliche Selbstständigkeit der Patienten. „Wichtige Punkte sind Gruppentherapie, wo ein Erfahrungsaustausch erreicht wird, sowie viel Bewegung und Sport“, so Klug. Auch eine niederschwellige Institutsambulanz wurde integriert.
Laut Stationsleiterin Martina Nieswandt ist das Haus sehr offen, freundlich und hell gestaltet. Schließlich soll der Erstkontakt zur Psychiatrie positiv verlaufen.