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Wertschätzung und Balance sind keine Zauberei

Brigitte Rottach, Abteilungspflegedienstleitung am Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg, hat den 2. Work-Life-Balance-Tag am BKH so zusammengefasst: „Wir erlebten einen fantastischen und eindrucksstarken Tag mit einer überraschenden und beeindruckenden Zaubershow zum Abschluss.“ Nahezu alle der 65 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben der Veranstaltung auf ihren Feedback-Bögen eine glatte „1“. Maßgeblich trug Referent Gaston Florin zum großen Erfolg bei. Der Experte für Körpersprache und Verwandlungs-Fachmann leitet Coachings, Workshops und konzipiert Business-Shows für Firmenkunden. Außerdem tritt er weltweit als Zauberer auf und hat unter anderem den „Sarmoti Award“ gewonnen, den ihm Siegfried & Roy in Las Vegas (USA) verliehen haben.
 
Gaston Florin zog beim Work-Life-Balance-Tag am BKH Augsburg alle Register: Der 48-jährige Oberbayer verwandelte sich auf der Bühne vom Mann zur Frau und wieder zurück in einen Mann. Dann begeisterte er die Teilnehmer bei zwei Workshops – die ihrem Namen alle Ehre machten - über wertschätzende Kommunikation. Und schließlich rundete er mit seiner atemberaubenden Zaubershow den interessanten, spannenden Fachtag ab. „Er hat sich keine Pause gegönnt. Und es war erstaunlich, wie viele Fähigkeiten er in sich hat“, berichtet Brigitte Rottach. Florin war es ein Bedürfnis, vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BKH aufzutreten und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Schließlich hat er seinen Zivildienst in der Klinik für Psychiatrie in München-Haar gemacht. „Ich möchte von dem, was ich von einigen Ihrer Kollegen gelernt habe, ein bisschen was zurückgeben“, sagte er zu Beginn.

Florin referierte über Souveränität und zeigte an der eigenen Person, wie sie funktionieren oder in die Hose gehen kann. Wie sieht ein Dominanzverhalten aus? Was ist feminin? Wo haben wir gläserne Scheiben/Grenzen im Kopf und wie können wir uns selber erlauben, Grenzen beiseite zu legen? Mit diesen Fragen konfrontierte Florin sein Publikum und lieferte Antworten. Manchmal sei es gut, 10000 Meilen in den Schuhen eines anderen zu laufen, um ihn zu verstehen, lautete sein Fazit. „Manchmal ist es gut, die Perspektiven zu wechseln.“ Die Verwandlung von Mann zu Frau zu Mann diente als „lebendes Beispiel“ dafür.

Brigitte Rottach und ihr Team hatten sich zum Ziel gesetzt, den BKH-Mitarbeitern etwas Ganzheitliches anzubieten – ein Programm für Körper, Geist und Seele. Das gelang den Organisatoren. Dazu trugen zum einen die internen und externen Referenten bei, die beispielsweise Schnupperkurse zu Yoga (Eva Schneider) und Qi Gong (Dr. Friedrich) anboten. Zum anderen brachte sich die AOK stark ein. Ihre Vertreter hielten Vorträge wie „Kein Stress mit dem Stress“, „Darmgesundheit“ und „Ernährungsirrtümer und Verbrauchertäuschung“. Außerdem boten sie Tests an: „Wie fit ist dein Körper?“, „Challenge Disk“ und „Herzstresstest“.

„Alle jammern, dass es so schlimm ist. Sie lassen sich nicht so gerne Tipps geben, wie es besser gehen könnte. Nehmen Sie sie deshalb mit und erzählen Sie das den anderen“, sagte BKH-Pflegedirektor Georg Oppermann zur Begrüßung. Der ganzheitliche Ansatz des Work-Life-Balance-Tages hat den 65 Teilnehmern viel positive Energie für ihren bisweilen anstrengenden und schwierigen Arbeitsalltag mitgegeben.

 

Lob und Dank für die Therapeuten des BKH Augsburg

Die Umweltmediziner am Augsburger Klinikum arbeiten jetzt in einem hochmodernen Laborgebäude. Genutzt wird das Labor vom Forschungsverbund UNIKA-T, hinter dem zahlreiche Partner wie die Münchner Universitäten TU und LMU sowie die Universität Augsburg stehen UNIKA-T steht als Kürzel für das Universitäre Zentrum für Gesundheitswissenschaften am Klinikum Augsburg.. Die mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Forschungsverbund gehören, haben ihre Büros nebenan in einem älteren Gebäude, das für sie saniert und hergerichtet worden ist. Dass es sich nun noch schöner und freundlicher präsentiert, liegt insbesondere an der Kunst- und Ergotherapie des Bezirkskrankenhauses (BKH) Augsburg.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BKH gestalteten gemeinsam mit Patienten Bilder und Holzstelen und stellten sie UNIKA-T zur Verfügung. Federführend begleiteten Kunsttherapeutin Monika Schultes, ihre Kollegin Sigrid Wiedemann, Praktikantin Felicitas Smola sowie die Ergotherapie-Gruppe um Melanie Engelhart und Thomas Mayr die Aktion. Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle, der den 4,5 Millionen teuren Labor-Neubau auf dem Gelände des Klinikums am Donnerstag, 20. Oktober 2016, eröffnete, hatte zwar keine Zeit mehr für einen Blick auf die gelungenen Bilder und Stelen aus dem BKH. Aber dafür nahmen Vorstandsvorsitzender Thomas Düll  (Bezirkskliniken Schwaben), Ärztlicher Direktor Professor Max Schmauß und zahlreiche Ehrengäste die Werke, die die Wände, Büros und Besprechungszimmer schmücken, in Augenschein.

Professorin Claudia Traidl-Hoffmann vom Lehrstuhl für Umweltimmunologie und viele ihrer Kollegen und Mitarbeiter wie zum Beispiel Kathrin Auhuber (Assistentin Leitung Geschäftsstelle) waren voll des Lobes über die schönen Werke und bedankten sich bei den Verantwortlichen und Patienten des BKH Augsburg.

 

Fachtagung: Wohin die Reise in der psychiatrischen Versorgung geht

Das Gesetzesvorhaben zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG), das geplante neue Bundesteilhabegesetz (Wiedereingliederungshilfe) sowie das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II), das zum 1. Januar 2017 in Kraft tritt und Verbesserungen für chronisch psychisch Kranke zur Folge hat: Es sind bewegte Zeiten für die psychiatrische Versorgung in Deutschland. Dass sich eine Fachtagung im Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg Ende September genau mit diesem Thema befasst hat, war eine thematische Punktlandung. Die Vorbereitungen zur gemeinsamen Veranstaltung von BKH und Arbeiterwohlfahrt, Stadtverband Augsburg, begannen schon mehr als ein Jahr zuvor. Professor Dr. Max Schmauß, Ärztlicher Direktor des BKH Augsburg, und Claudia Frost von der Geschäftsführung der AWO, freuten sich, dass etwa 120 Teilnehmer der Einladung zur Fachtagung gefolgt waren.

In Zeiten knapper finanzieller Ressourcen sind die Anbieter der stationären und ambulanten psychiatrischen Versorgung vor immer größere Probleme gestellt, zumal sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen – wie beschrieben – derzeit nachhaltig verändern. Wohin geht die Reise? Professor Schmauß stellte in seiner Begrüßung fest, dass im Klinikalltag der Aufwand bei der Dokumentation stark zugenommen habe und der Fokus auf die Finanzen immer intensiver werde. Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, sagte, dass sich insbesondere im medizinischen Fach Psychiatrie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viel bewegt habe. „Es sind dauerhaft bewegte Zeiten“, sagte Düll. Der Vorstandsvorsitzende ist sich sicher, dass die Psychiatrie sich mit großer Geschwindigkeit weiterentwickeln wird. Er beleuchtete die einzelnen Gesetzesvorhaben wie das wichtige PsychVVG, das den Geldfluss in der stationären und teilstationären Behandlung regelt und auch die ambulante Versorgung einbezieht. „Begriffe wie Home Treatment und was dahinter steht sowie Regionalbudget beschäftigen uns sehr. Wir können nur hoffen, dass am Ende ein gutes Ergebnis für uns herausspringt“, so Düll. Das gelte auch für das Bundesteilhabegesetz in der außerklinischen Versorgung, was insbesondere den Bereich „Wohnen und Fördern“ der Bezirkskliniken Schwaben tangiert.

Die AWO sieht sich als ein Akteur in der sozialpsychiatrischen Landschaft. Zusammen mit dem BKH bietet sie in Augsburg integrierte Versorgung an. Geschäftsführer Werner Weishaupt steht mit seinem Team vor der spannenden Frage: „Wie kann man künftig ambulante Versorgung erbringen?“ Die Antwort scheint schwierig und kompliziert zu sein. Allein für das geplante Bundesteilhabegesetz lägen 87 Stellungnahmen von Wohlfahrts- und Fachverbänden vor, was zeige, wie groß das Interesse an einer inhaltliche Diskussion sei, so Weishaupt.

Aus Sicht von Professor Dr. Peter Brieger, Ärztlicher Direktor des BKH Kempten, sollte eine gute Versorgung psychisch kranker Menschen unabhängig von der Frage gewährleistet sein, ob mit Bett oder ohne. „Sie soll sich nicht an der Form der Leistungserbringung orientieren, sondern am Bedarf“, so Brieger, der eine zunehmende Tendenz der Ökonomisierung beobachtet. Ihm mache Sorge, wenn Schwerkranke bei niedergelassenen Ärzten wochenlang warten müssten, bis sie einen Termin bekommen. Das Nahtlose zwischen stationär und ambulant müsse vorhanden sein, sagte er. Für Brieger war es übrigens einer der letzten öffentlichen Auftritte als leitender Mitarbeiter der Bezirkskliniken Schwaben. Er wechselt ja bekanntlich zum kbo-Isar-Amper-Klinikum nach Oberbayern.

Den Reigen namhafter Referenten, die aus der ganzen Bundesrepublik angereist waren, setzte Pavle Zagorscak von der Freien Universität Berlin fort. Er beschäftigte sich in seinem Vortrag mit Internettherapie aus Sicht der Forschung. Diese Therapie am Computer, Smartphone oder Tablet könne die Face-to-face-Arbeit eines Profis mit einem Patienten nicht ersetzen. In vielen Teilen könne sie sie aber unterstützen und ergänzen, so der Referent.

Professor Dr. Hansjörg Assion von der LWL Klinik Dortmund informierte über „neue“ Versorgungsstrukturen. So seien in seinem Haus eine Krisen-Ambulanz aufgebaut worden (Motto: ambulant vor stationär) und eine Krisen-Tagesklinik eingerichtet worden („Nach zehn Behandlungstagen ist Schluss!“). In einem Ambulanzzentrum würden sämtliche ambulante Angebote zusammengefasst.

Professor Dr. Ingmar Steinhart von der Uni Greifswald forderte, dass die Psychiatriereform endlich bei den Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen ankommen müsse. Professor Dr. Arno Deister vom Klinikum Itzehoe, ab 2017 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN), sagte, dass auf der Suche nach neuen Versorgungsformen die therapeutische Beziehung der Kern sei. „Sie fällt aber nicht vom Himmel. Um sie zu gestalten, braucht es Zeit und die Kompetenz der Menschen. Und das kostet Geld. Aber es ist wichtig, das ist unser Instrument – und deshalb sollten wir dafür werben“, meinte Deister. Der Ansatz müsse stets sein: dann ambulant, wenn ambulant geht; dann stationär, wenn stationär nötig und für den Patienten sinnvoll ist – und nicht, weil es ein bestimmtes System gibt oder weil ein Träger sein Budget aufbessern will.

Besonders viel Applaus bekam Robert Bock, der über seine Erfahrungen mit dem Ex-In-Projekt berichtete. Hier werden Betroffene (mit Psychiatrieerfahrung) zu Beteiligten (Genesungsbegleiter) gemacht. Bock erlitt im Alter von 54 Jahren relativ plötzlich eine schwere psychische Erkrankung. Das war im Herbst 2011. Von da an begann für ihn, einem ehemaligen Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, das zweite Leben. „Die beste Entscheidung in meinem ersten Leben war, meine Frau zu heiraten. Die beste Entscheidung in meinem zweiten Leben war, die Ausbildung zum Ex-In-Genesungsbegleiter in Kaufbeuren zu machen. Ohne diese Ausbildung hätte ich wohl nicht überlebt“, führte er aus. Man hätte in diesem Moment in der Mehrzweckhalle des BKH eine Stecknadel fallen hören können. Bock sieht Ex-In „als hervorragende Ergänzung im bestehenden psychiatrischen System“. Aktuell sei er dabei, gemeinsam mit vier Kollegen eine GmbH zu gründen, erläuterte er. Die Firma solle Menschen zu Genesungsbegleitern ausbilden, um im eigenen Unternehmen als niederschwelliges Angebot zur Verfügung zu stehen.

Die interessierten Besucher aus Nah und Fern hatten am frühen Nachmittag die Gelegenheit, in fünf Workshops die Themen, die in den Vorträgen behandelt worden waren, mit den jeweiligen Referenten zu vertiefen und anhand von Beispielen aus der Praxis zu diskutieren. Eine Podiumsdiskussion mit den Referenten sowie einem Betroffenen und einer Angehörigenvertreterin rundete die gelungene Fachtagung ab.

 

 

Zwei Vorträge im BKH Augsburg zur Aktionswoche Demenz

Am 21. September 2016 findet der jährliche Internationale Welt-Alzheimer-Tag statt. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Jung und Alt bewegt Demenz“.

Unter dem Dach des Arbeitskreises Gerontopsychiatrie, einem trägerübergreifenden Zusammenschluss von Vertretern der verschiedenen ambulanten, teilstationären und stationären Einrichtungen und Diensten, sowie Vertretern von Selbsthilfeorganisationen und Kommunen, Ärzten, Juristen und vielen anderen Akteuren in unserer Region, findet dieses Jahr rund um den Welt-Alzheimer-Tag zum ersten Mal eine gemeinsame „Aktionswoche Demenz“ statt. Mit dabei ist auch das Bezirkskrankenhaus Augsburg.
 
In der Woche vom 17. bis 25.September bietet sich Betroffenen, Angehörigen und Interessierten ein vielfältiges Programm: Informationen, Hilfs- und Entlastungsmöglichkeiten, Entspannung, Kultur, Bewegung und die Teilhabe am Leben - eine bunte Palette an Angeboten und Möglichkeiten. Eine Vielzahl von Menschen engagiert sich in dieser Woche verstärkt für Menschen mit Demenz. Auch wenn die Krankheit in den vergangenen Jahren deutlich mehr in den Fokus des allgemeinen Interesses gerückt ist, der Alltag ist für die Betroffenen und die Angehörigen nach wie vor extrem belastend.

Folgende Vortragsveranstaltungen finden im Bezirkskrankenhaus Augsburg statt:

Dienstag, 20. September, 17.00 – 18.30 Uhr: „Ich kann nicht mehr" - Umgang betreuender / pflegender Angehörigen mit belastenden Begleitsymptomen der Demenz. Referentin: Adelheid Santihanser, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Mittwoch, 21. September, 17.00 – 18.30 Uhr: „Könnte es Alzheimer sein?". Referentin: Dr. Susanne Klarmann, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Beide Vorträge sind öffentlich und kostenfrei.

Weiteres Mahnmal soll an das Schicksal von 45 Patientinnen und Patienten erinnern

Vergangenes Jahr feierte das Günzburger Bezirkskrankenhaus (BKH) seinen 100. Geburtstag.  Zu diesem Anlass wurde im ehemaligen Rosengarten ein Mahnmal zum Gedenken der grauenhaften Ereignisse der „Euthanasie“ psychisch Kranker während der Zeit des Nationalsozialismus errichtet und eingeweiht. Es ist ein Geschenk des Bezirkes Schwaben. Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, regte damals an, dass am BKH Günzburg eine Gedenkkultur etabliert werden soll. So fand nun am 5. Juli 2016 zum zweiten Mal eine Gedenkfeier am Euthanasie-Mahnmal statt. An diesem Tag deshalb, weil am 5. Juli 1940 die ersten Patienten von Günzburg aus in verschiedene Tötungsanstalten gebracht worden sind. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren es 394 Frauen und Männer, die von Günzburg aus deportiert und ermordet wurden.

Noch kurz vor Kriegsende sind viele Menschen auch in der Klinik selbst umgebracht worden: durch gezielte Mangelernährung, Vernachlässigung oder den Einsatz tödlicher Medikamente. Inzwischen sind die Namen von 45 Patientinnen und Patienten bekannt, die auf diese Weise ihr Leben verloren. Zu ihrem Gedenken wird in Kürze ein eigenes Mahnmal im ehemaligen Rosengarten vor Haus 50 errichtet werden, kündigte Leitender Ärztlicher Direktor Professor Thomas Becker bei der Feier an. Becker verlas mit bewegter Stimme die Namen der 45 Ermordeten. Für jeden von ihnen steckten Schülerinnen und Schüler der drei Berufsfachschulen des BKH sowie Mitarbeiter und Bewohner von „Wohnen und Fördern“ Rosen in zwei Vasen.

Einer dieser Menschen, der im August 1944  in Irsee – einer Außenstelle der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren – ermordet wurde, ist Ernst Lossa. Er war das, was die Nazis „unwertes Leben“ nannten. Bei der Gedenkfeier im BKH Günzburg wurde auch an das leidvolle Schicksal des Buben erinnert, der nur 15 Jahre alt werden durfte. Dazu las der Journalist und Autor Robert Domes aus seinem erfolgreichen Buch „Nebel im August“ vor. Domes hatte jahrelang recherchiert und dann daraus einen Roman aus der Sicht des Kindes und Jugendlichen Ernst Lossa verfasst – „eine Mischung aus Fakten und Fiktion“, wie der Autor im BKH-Festsaal erläuterte. Das Buch lieferte die Basis für einen Film, der im Herbst in die Kinos kommt und vorab den Bayerischen Filmpreis für die beste Regie erhalten hat.

Professor Bernhard Widder, ehemaliger Ärztlicher Direktor der Neurologie am BKH, umrahmte die Autorenlesung mit zwei Jazz-Stücken musikalisch.

Gelungener Messeauftritt von „Wohnen und Fördern“

Es war beeindruckend, wie viel geboten wurde. Knapp 90 Aussteller mit etwa 1000 Mitwirkenden machten den Schwabentag 2016 zu einem Tag der Begegnung. Die Veranstaltung in der Messe Augsburg stand ganz unter dem Motto „Inklusion leben – ein Fest für alle!“. Der Bezirk Schwaben als Organisator hatte erstmals ein soziales Thema gewählt. Mit dabei war der Bereich „Wohnen und Fördern“ der Bezirkskliniken Schwaben. 22 Mitarbeiter, Bewohner und Tagesstätten-Besucher hatten für Besucher und Interessierte, die zum 100 Quadratmeter großen Stand mitten in der Messehalle 7 kamen, zahlreiche Informationen parat: über die Tagesstätten mit „aktiver Werkstatt“ und Hochbeetbau, über ambulante Angebote – ambulant betreutes Wohnen (ABW) und betreutes Wohnen in Gastfamilien – über die Tagesstätten in Günzburg, Krumbach, Kaufbeuren und Füssen sowie über die Heime Günzburg, Kaufbeuren, Zusmarshausen und Buchloe.  Als Besuchermagnet stellten sich einmal mehr die beiden Therapie- bzw. Diensthunde Spike (ein Labrador) und Joy (französische Bulldogge) heraus.

Beim „Human Soccer Turnier“, das Arbeiterwohlfahrt und Diakonie Augsburg ausrichteten, traten sechs Mannschaften gegeneinander an. Das Team „Wohnen und Fördern“ belegte am Ende Platz drei und durfte aus den Händen von Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert einen kleinen Pokal entgegen nehmen. Sieger wurde die Diakonie. Reichert war vor allem beeindruckt von der Fröhlichkeit der Menschen mit Handicap, die an diesem Nachmittag in der Halle zu spüren war. Nach sechs Stunden ging für die Mitwirkenden ein anstrengender, aber schöner Tag zu Ende. Er war geprägt von zahlreichen Gesprächen, Informationen und der Botschaft, dass eine Behinderung nicht gleichzeitig bedeutet, nur eingeschränkt leistungsfähig zu sein. 

 
 

Beeindruckende und zugleich bedrückende Geschichte

Soll man ein 140-jähriges Bestehen feiern? Ist das etwas Besonderes? „Ja“ haben die Verantwortlichen der Bezirkskliniken Schwaben und des Bezirkskrankenhauses (BKH) Kaufbeuren gesagt und viele Gäste eingeladen. „140 Jahre zu bestehen, sich trotz Kriegszeiten, Hungersnöten, wirtschaftlichen Krisen und schwierigen Rahmenbedingungen zu behaupten und dabei immer wieder positive Akzente zu setzen, wie es unser Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren erfolgreich getan hat, ist überaus beachtlich – bei allem Schatten und Unheil, welche die Klinik zeitweise über ihre Patienten und die Region gebracht hat“, sagte der Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken, Thomas Düll, vor mehr als 100 Anwesenden im Festsaal des BKH. Die „beeindruckende und zugleich bedrückende Geschichte dieser Klinik“ (Düll) stand im Mittelpunkt dieser zweieinhalbstündigen Feier.

Am 1. August 1876 wurde die damalige „Heil- und Pflegeanstalt“ eröffnet. Sie war damals die erste Klinik in Schwaben, die für die psychiatrische Versorgung konzipiert war. Die benachbarte Klosteranlage in Irsee war bekanntlich für einen anderen Zweck errichtet worden; dort erfolgte dann schon ab 1849 bis 1972 die Unterbringung von psychisch Kranken. Heute ist das BKH Kaufbeuren, das zwischenzeitlich „Nervenkrankenhaus“ hieß, der älteste Standort der Bezirkskliniken Schwaben. Die Einrichtung mit ihren Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, für forensische Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie ist einer der größten Arbeitgeber der Region.  Zum Standort zählen auch die Bereiche „Wohnen und Fördern“ mit seinen Wohn- und Pflegeheimen, die Allgäu-Akademie als Bildungszentrum der Bezirkskliniken sowie die Berufsfachschule für Krankenpflege (seit 1922). „So bunt, wie wir als Unternehmen und Klinik mit all unseren Mitarbeitern, Patienten und Bewohnern sind, so vielfältig sind wir auch. In dieser Vielfalt liegt eine unserer größten Stärken“, sagte der Leitende Ärztliche Direktor Dr. Albert Putzhammer. Diese Vielfalt, so Putzhammer, gelte es zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Der Ärztliche Direktor beleuchtete die wechselvolle Geschichte des Krankenhauses. Dabei ging er ausführlich auf die Zeit des Nationalsozialismus ein – „die düsterste Zeit in der Geschichte unseres BKH“.  Im Rahmen der T4-Vernichtungsaktion holten die berüchtigten „grauen Busse“ knapp 700 Menschen aus der „Kaufbeurer Anstalt“ ab, um sie in ein Vernichtungslager zu bringen. Dort wurden sie getötet. „Damit hatte das Morden aber kein Ende – es ging in den Anstalten selbst weiter“, fuhr Putzhammer fort. Später starben etwa 2000 Patienten in Kaufbeuren und Irsee infolge medizinischer Versuche, Entzugs- und Hungerkost sowie durch aktive Tötung mithilfe von Gift und Medikamenten. Der Klinik sei es seit vielen Jahren ein Anliegen, immer wieder an diese schreckliche Zeit zu erinnern, zu mahnen, und diese Erinnerungskultur aufrecht zu halten. Einen maßgeblichen Anteil an dieser Aufarbeitung hat Prof. Dr. Michael von Cranach, ehemaliger Leitender Ärztlicher Direktor des BKH (1980 bis 2006).

Auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert lobte das BKH dafür, in welcher Form es zur Aufarbeitung der „schrecklichen Zeit der Euthanasie“ beigetragen hat und dass die Mitarbeiter heute in medizinischer wie menschlicher Sicht als gutes Beispiel vorangehen. „Es hat lange gedauert, nämlich bis in die 80er Jahre, um die Geschichte nach Kriegsende aufzuarbeiten. Doch wir lassen nicht nach, weiter zu forschen“, versprach der Verwaltungsratsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben. Er habe großen Respekt vor der Arbeit der Beschäftigten der Klinik und des Managements, sagte Reichert. Die Bezirkskliniken mit ihren sieben Standorten verfügten über eine gesunde Struktur und stünden finanziell auf sicherem Boden. „Das BKH Kaufbeuren ist eine alte Klinik, die jung geblieben ist“, stellte Reichert fest.

Um das Verhältnis zwischen der Stadt und dem BKH zu beschreiben, zeichnete Oberbürgermeister Stefan Bosse das Bild einer „Symbiose zum Wohle beider Partner“. Kaufbeuren habe der Klinik damals großzügig Flächen überlassen mit dem Ziel, „die Einrichtung autark zu stellen“. Erst vor wenigen Jahren sei beispielsweise die autonome Wasserversorgung aufgelöst und das BKH an die städtische Wasserversorgung angekoppelt worden. Die neurologische Abteilung, integriert in das Allgemeinkrankenhaus, die Finanzhochschule in den ehemaligen Räumen der Neurologie am Kaiserweiher, umfangreiche Lieferverträge sowie die örtliche Feuerwehr, „die hier ständig zu Gast ist“: Es gibt laut Bosse viele Beziehungen zwischen Klinik und Kommune. „Viele Patienten gehören zu dieser Stadt: Alles in allem sind das Belege für ein gutes Miteinander“, meinte der OB, der zugleich Verwaltungsrat der Bezirkskliniken ist.

Professor Dr. Norbert Müller, ehemaliger stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München, beleuchtete in seinem Festvortrag die „Geschichte der Psychiatrie“. Direktor Putzhammer vertiefte dies anschließend am Beispiel Kaufbeurens. Er berichtete, dass am 2. August 1876 – dem Tag nach der Eröffnung - der erste Patient ins BKH kam: Es war Friedrich Gloggengießer aus Lindau. Er blieb dort bis zu seinem Tod 1930. Seine Originalakte wurde bei der Feier in einer der Vitrinen ausgestellt, die im Festsaal aufgebaut waren. Der ehemalige Verwaltungsleiter Erich Resch und Direktionsassistentin Roswitha Warholak hatten die Vitrinen und mehrere informative Stellwände mit zahlreichen Fotos von der Klinik konzipiert.

Das Versorgungsgebiet des BKH Kaufbeuren, so Dr. Putzhammer, war lange Zeit sehr groß. Um die wohnortnahe Versorgung von Menschen mit seelischen Störungen zu verbessern, wurden in Schwaben nach und nach psychiatrische Kliniken gegründet: 1985 Kempten, 1989 Augsburg, 1995 Memmingen und 1998 Lindau. Zuvor war 1981 in Kaufbeuren die psychiatrische Institutsambulanz (PIA) ins Leben gerufen worden – als eine der ersten in Deutschland.

Der Bedarf an tagesklinischer Behandlung und Betreuung sei stark gestiegen, berichtete der Ärztliche Direktor. „Wir können die Nachfrage gar nicht bewältigen.“ Da die Klinik die Menschen vor Ort versorgen will und muss, dürfe man die Frage stellen: Könnte man weitere Tageskliniken gründen?  Was das BKH selbst betrifft, so stehe die Frage nach der Generalsanierung im Raum, so Putzhammer. Die größte Herausforderung jedoch sei die Gewinnung von jungen Mitarbeitern. „Außerdem müssen wir unsere bestehenden Mitarbeiter bei uns halten, indem wir ihnen mit Respekt und Offenheit begegnen.“ Auch der verstärkten Aus- und Weiterbildung wolle man sich widmen, sagte Putzhammer.
       
Vorstandsvorsitzender Düll beleuchtete die interessante Architektur des BKH. Alles sei symmetrisch und feudal geplant worden. Er betonte, dass die knapp 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Kaufbeuren „die Seele und das Herz in diesen Gemäuern“ seien. So groß, wie beim 100-jährigen Bestehen vergangenes Jahr in Günzburg, habe man in Kaufbeuren zum 140-Jährigen nicht einsteigen wollen. „Dies werden wir aber in zehn Jahren tun. Da werden wir es richtig krachen lassen“, versprach Düll.

Herzzerreißende Bilder aus der Kindersprechstunde

Über die Kindersprechstunde am Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg wird seit Wochen in regionalen und überregionalen Medien berichtet. Anlass ist eine Wanderausstellung, die im Rahmen einer Kampagne des Bayerischen Gesundheitsministeriums zur psychischen Gesundheit durch Bayern touren wird. Die Ausstellung trägt den Titel „KinderSprechStunde“ und lässt die Kinder psychisch erkrankter Mütter oder Väter zu Wort kommen. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml hat die Aktion im Mai im Rokokosaal der Regierung von Schwaben vorgestellt.

Kinder psychisch kranker Eltern sind einem vielfach höheren Risiko ausgesetzt, selbst eine seelische Störung zu entwickeln. „In Kenntnis dieser Problematik haben wir uns im Jahr 2007 am BKH Augsburg dazu entschlossen, in Kooperation mit der St.-Gregor-Jugendhilfe die Augsburger Kindersprechstunde im Bezirkskrankenhaus aufzubauen, um Hilfen, Beratung und Informationen für Kinder psychisch kranker Eltern anzubieten“, blickt Prof. Dr. Max Schmauß, Ärztlicher Direktor des BKH Augsburg, zurück. Diplom-Sozialpädagogin (FH) Sabine Kühnel vom BKH und Diplom-Psychologin Livia Koller von der St.-Gregor-Jugendhilfe haben sich seither außerordentlich für dieses Projekt und diese Arbeit engagiert und verschiedene Hilfsbereiche für die betroffenen Mädchen und Buben aufgebaut. Im Juni 2015 durften sie gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll, in München den Bayerischen Präventionspreis des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in der Kategorie „Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit“ entgegennehmen.

Schon bei der Preisverleihung vor einem Jahr wurden Bilder gezeigt, die von betroffenen Kindern und Jugendlichen stammen, die ihren Alltag gezeichnet haben. Die Mädchen und Buben erzählen in Bildern und Texten von ihren Ängsten, Hoffnungen und Sorgen. Die Exponate der Ausstellung entstanden im Rahmen der Kindersprechstunde im BKH Augsburg. Da sitzt eine Mutter traurig und teilnahmslos in der Ecke. Grau und trist – so hat ein zehnjähriges Mädchen seinen Alltag gezeichnet. In einem anderen Bild sieht man die Krankheit als Monster – alles schwarz-weiß gemalt. „Ich mach mir Sorgen um Mama, aber sie hört ja nicht auf mich, wenn ich sage, dass sie nicht so viel trinken soll“, erzählt die 14-jährige Bernadette und beschreibt so ihr Bild, das sie über sich, ihre Mutter und deren Alkoholkrankheit gemalt hat.  

Mit Begriffen wie Depressionen oder bipolaren Störungen, bei denen die Eltern zum Beispiel unter Verfolgungswahn leiden, können Kinder nichts anfangen. Aber sie spüren, dass ihr Alltag durch die Krankheit aus den Fugen gerät, die kranke Mutter oder der kranke Vater im schlimmsten Fall sogar Selbstmord verübt. Dafür fühlen sie sich zum Teil verantwortlich. Deshalb müsse bei der Behandlung psychisch kranker Eltern nicht nur die Ursache gesucht und behandelt, sondern es müssten auch die Folgen für die Kinder bedacht werden, sind sich die Experten einig.

Ministerin Huml sagte bei der Präsentation der Ausstellung in Augsburg: „Psychische Erkrankungen dürfen kein Tabu sein, über das nicht gesprochen wird. Denn den Betroffenen muss so früh wie möglich geholfen werden. Deshalb soll die Kampagne einen offeneren Umgang mit dem Thema fördern. Mein Ziel ist es, sowohl Eltern und andere Verwandte als auch Lehrer und Gleichaltrige für dieses Thema zu sensibilisieren.“ 

Gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Jugendhilfe, dem Bildungsbereich, der Politik und dem Sport wird bayernweit eine Vielzahl von regionalen Veranstaltungen stattfinden. Höhepunkt ist eine Aktionswoche vom 18. bis zum 23. Juli. Im Herbst geht es dann vor allem um Depressionen bei Erwachsenen. 

Info Die Ausstellung „KinderSprechStunde“ wird vom 29.08. bis 06.09.2016 im Augsburger Rathaus zu sehen sein.

Bilder: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

 

Firmenlauf: Mitarbeiter der Bezirkskliniken trotzen dem starken Regen

Der Augsburger Firmenlauf 2016 war nichts für „Weicheier“.  Pünktlich zum Start öffnete der Himmel an diesem Tag noch einmal seine Schleusen und verwandelte die 6,3 Kilometer lange Rundstrecke beim Messegelände in ein Pfützenmeer. Trotzdem machten sich am 12. Mai um 19 Uhr fast 8300 Läufer, Jogger und Walker auf den Weg. Angemeldet hatten sich insgesamt 10 000 Sportler für Schwabens größte Veranstaltung im Breitensport. Unter ihnen waren auch 26 Läuferinnen und Läufer der Bezirkskliniken Schwaben.

„Ein Hoch auf alle tapferen Läufer, die bei dem Wetter den Mut hatten zu laufen!“, stellte Teamcaptain Renate Fliege lobend fest. Sie selbst ging mit gutem Beispiel voran und präsentierte sich wie ihre Mitstreiter als „wetterfeste“ Läuferin.

Leider konnten die Bezirkskliniken Schwaben nur zwei Teams auswerten, da bei den anderen Teams einzelne Läufer fehlten. Das Team „Die Namenlosen“ aus der Berufsfachschule für Logopädie mit Bianca Stoll, Nadja Feige, Naomi Nlome und Helena Lachenmair haben in der Teamplatzierung „Damen“ mit einer Gesamtzeit von 2:43:10,1 Platz 94 erreicht. Das Team „DAB“ aus dem Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg in der Besetzung Maria Wiesner, Eva Roessner, Francette Schwendner und Hans Ruf kamen in der Teamplatzierung „Mixed“ mit einer Gesamtzeit von 2:43:40,6 auf Platz 467.

Unsere schnellste Läuferin war diesmal Melanie Neuner aus der Logopädieschule. Mit 35:45,5 landete sie bei den Damen auf Platz 793. „Zum 2. Platz der Damen können wir Lydia Jungbauer aus dem BKH mit einer Zeit von 35:50,3 und zum 3. Platz Francette Schwendner aus dem BKH mit einer Zeit von 37:04,4 gratulieren“, so Renate Fliege.

Bei den Männern war Martin Zink von der Bezirksbau- und Service-GmbH mit einer Zeit von 29:12,0 der schnellste Läufer. Platz 2 erreichte Georg Schalk von der Unternehmensleitung mit 31:05,0, Platz 3 Helmut Wiesner vom BKH mit 33:34,0.

 

Professor Becker feiert in gemütlicher Runde seinen 60.

In einer kleinen, aber feinen und gemütlichen Runde hat Professor Thomas Becker mit Kolleginnen und Kollegen seinen 60. Geburtstag gefeiert. Im Hörsaal würdigte der Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll, die Leistungen des Leitenden Ärztlichen Direktors des Bezirkskrankenhauses (BKH) Günzburg und ging auf dessen Lebenslauf ein. Becker kam im Dezember 2002 als Nachfolger von Professor Schüttler nach Günzburg. Seitdem leitet der gebürtige Stuttgarter die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am BKH Günzburg, welche zugleich als Abteilung Psychiatrie II der Universität Ulm fungiert. Fünf Jahre später wurde Becker Nachfolger von Professor Widder als Leitender Ärztlicher Direktor am BKH Günzburg. Düll hob hervor, dass Becker seit Januar 2008  Sprecher des Medical Boards der Bezirkskliniken Schwaben ist und damit eine wichtige Rolle im Gesamtunternehmen einnehme.  Es sei mit sein Verdienst, dass es gelungen ist, die Krankenversorgung in Günzburg zu einer menschlichen Psychiatrie, die sich zeitgemäßen Grundsätzen verpflichtet sieht, weiterzuentwickeln, so Düll. Mit Blick auf Beckers zahlreiche Tätigkeiten und Funktionen meinte der Vorstandsvorsitzenden mit einem Augenzwinkern: „Der Tag unseres Jung-60ers scheint mehr als 24 Stunden zu haben.“  Düll wünschte dem Jubilar, der für seine wissenschaftliche Arbeit mehrere Preise bekam und seit Dezember 2015 eine W3-Professur mit Leitung innehat, „Durchhaltevermögen im beruflichen Endspurt“ angesichts der vielen anstehenden Aufgaben (z.B. Neubau der psychiatrischen Klinik).

Vorstandsvorsitzender Düll, Prof. Christian Rainer Wirtz (Chefarzt Neurochirurgie und stellvertretender Leitender Ärztlicher Direktor des BKH) und der Leiter des Dienstleistungs- und Logistikzentrums (DLZ), Wilhelm Wilhelm, überreichten Professor Becker Geschenke. Fleißige Mitarbeiter der BKH-Küche verwöhnten die Gäste anschließend mit einem leckeren Menü.

Großartige Werke von Menschen, die als Außenseiter galten

Es ist Kunst, die aus der Randnische hervorgeholt wurde. Kunst von Menschen mit intellektueller Behinderung, Grenzgängern, gesellschaftlich unangepassten Frauen und Männern, Sonderlingen und Autodidakten mit künstlerischem Potenzial. Es ist Kunst, die berührt, nachdenklich macht, fasziniert. Werke von hohem gestalterischem Niveau. Zu sehen sind die Arbeiten in einer großartigen Ausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren noch bis 21. Februar. Ihr Titel: „Kunst und Stigma – Grenzgänger zwischen Zwang und Freiheit“.

Kurator der Ausstellung ist Jan T. Wilms, der seit Mai 2015 der Leiter des Kunsthauses ist. Er hat 88 Exponate von 14 Künstlern zusammengestellt, die den Bogen vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart spannen. Es ist eine thematische Werkschau, die erstmals in der Region Kunst von Außenseitern, auch „Art Brut“ genannt, zeigt. Der Begriff „Art Brut“ stammt aus dem Französischen und heißt so viel wie „unverbildete, rohe Kunst“.  Er gilt als Sammelbegriff für Kunst von Menschen mit Psychiatrieerfahrung, eben jenen Grenzgängern, Sonderlingen und Autodidakten.

Der Fokus liegt auf der künstlerischen Produktion der vergangenen drei Jahrzehnte aus dem Kontext des Bezirkskrankenhauses (BKH) Kaufbeuren. Als 1985 dort das erste kunsttherapeutische Atelier (Kunstatelier) an einer psychiatrischen Klinik in Bayern eröffnet wurde, war dies noch eine Besonderheit. „Inzwischen ist die Kunsttherapie als fester Bestandteil der therapeutischen Angebote in allen unseren Kliniken integriert“, sagt Thomas Düll, der Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben. Die Bezirkskliniken haben die Schau inhaltlich und finanziell tatkräftig unterstützt. 

Die Ausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren vereint Werke bekannter Protagonisten der Außenseiterkunst wie Wolfgang Hueber und Dietrich Orth, die Einzug in den Kunstbetrieb hielten und deren Schaffen weltweit in Museen und Galerien ausgestellt werden, mit dem Schaffen kaum bekannter Künstler. Dazu gehören Laurie Berner und Simone Stingele, die als wahre Neuentdeckungen gelten dürfen. Deren Werke werden nun erstmals einem breiten Publikum vorgestellt. „Der lokale Bezug ist uns wichtig. Erstmals sind einige Werke dorthin zurückgekommen, wo sie entstanden sind“, sagt Wilms.  

40 bedeutende Leihgaben aus der historischen Sammlung Prinzhorn (Heidelberg) ergänzen das Spektrum. Dabei handelt es sich um eine der umfangreichsten und qualitätsvollsten Sammlungen zur Kunst von Außenseitern weltweit. „Das Thema kommt sehr gut an. Die meisten Besucher sind begeistert“, stellt der Kurator erfreut fest.

Fünf der acht Künstler, deren Werke aus der Sammlung Prinzhorn derzeit in Kaufbeuren zu sehen sind, wurden vom nationalsozialistischen Terrorregime im Dritten Dreich umgebracht. Ein Momentum, das die Brücke schlägt zu der im benachbarten Stadtmuseum parallel gezeigten Ausstellung „In Memoriam“, die sich mit den Euthanasieprogrammen des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Dabei geht es auch um die Schicksale vieler Opfer aus der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren und deren Nebenstelle Irsee.  

Die Ausstellung „Kunst und Stigma – Grenzgänger zwischen Zwang und Freiheit“ ist noch bis 21. Februar jeweils von Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr, und am Donnerstag von 10 bis 20 Uhr im Kunsthaus Kaufbeuren zu sehen.

Die Ausstellung „In Memoriam. Euthanasie im Nationalsozialismus“ kann ebenfalls noch bis 21. Februar im benachbarten Stadtmuseum Kaufbeuren besichtigt werden.